Haben wir heute noch Innovationen?

Innovation ist ein Modewort geworden und wird für alles Mögliche verwendet. Es gibt heute jedoch kaum mehr richtige Innovationen. Die meisten heutigen „Innovationen“ sind Verbesserungen oder die Weiterentwicklung von bestehenden Produkten.

Auch das Mobiltelefon war keine Innovation. Die Erfindung des ersten Telefons im 19. Jahrhundert war eine Innovation. Auch das Rad war eine Innovation. Solche Meilensteine der Erfindung haben wir heute kaum mehr.

Warum hören wir dann heute so viel über Innovation wie noch nie?

Und warum wird das Wort Innovation wissentlich falsch verwendet? Eine Erklärung ist sicherlich, dass wir in der westlichen Welt so ziemlich von allem genug zu Hause haben. Keine Naturkatastrophe oder Krieg zerstört unser Hab und Gut. Deswegen besteht für viele Produkte kein natürlicher Bedarf. Worüber wir Verbraucher sehr froh sind, bedeutet für Unternehmen ausbleibende Kundschaft und das Aus. Damit die Unternehmen trotzdem produzieren können und Produkte verkaufen, wird ein „künstlicher Bedarf“ geschaffen.

Werbestrategen informieren uns über Weltneuheiten, die wir für unser Leben unbedingt benötigen. Nur mit diesen innovativen Produkten wird unser Leben komplett, besser, einfacher, schöner ….. Sie schaffen dadurch künstlichen Bedarf.

Was ist künstlicher Bedarf?

Nachdem in der westlichen Welt kaum noch natürlicher Bedarf besteht, würden viele Firmen nicht mehr bestehen. Das ist weder im Sinne der Unternehmer noch unserer Volkswirtschaft.

Hier ein paar Beispiele für künstlichen Bedarf.

Eigentlich genügt ein Auto, das uns von A nach B transportiert. Aber die Werbung suggeriert uns, dass unser Auto einen höheren Sicherheitsstandard und weniger Spritverbrauch haben sollte. Wie könnten wir Kinder in einem Auto ohne Airbags und speziellen Aufprallschutz transportieren. Unser Sicherheitsdenken wird aktiviert und wir möchten selbstverständlich unsere Kinder schützen. So wurde ein „künstlicher“ Bedarf geschaffen.

Ein Festnetztelefon hat uns über viele Jahrzehnte unterstützt. Heute ist ein Leben ohne die Flexibilität und „rund um die Uhr“ Erreichbarkeit, sowie die vielen Zusatzfunktionen des Mobiltelefons undenkbar. Die „rund um die Uhr“ Erreichbarkeit ist Fluch und Segen zugleich. Auch ich freue mich, dass ich nicht erst heimfahren muss oder eine schmutzige Telefonzelle suchen um mit Freunden von unterwegs zu sprechen. Das Telefonbuch im Smartphone, Google und Wikipedia, die schnelle Antwort auf jede Frage haben. Das weiß ich sehr wohl zu schätzen.

Die Werbung suggeriert uns, dass dies der heutige Standard ist. Warum sonst sollten wir uns ein neues Mobiltelefon kaufen, oder ein neues Auto oder oder oder. Wir brauchen diese weiter entwickelten Produkte nicht wirklich. Trotzdem sollen wir sie kaufen.

Um genau das zu erreichen, wird durch die Werbung ein „künstlicher Bedarf“ geschaffen. Wir bekommen neben dem „ach wie praktisch und vorteilhaft“ für mich noch einen wirklich wichtigen Grund (Nutzen) vorgesetzt. Jetzt dürfen wir das Produkt kaufen, der Nutzen aus der Werbung erteilt uns die finale „Erlaubnis“ und beeinflusst so unsere Kaufentscheidung.

Bedeutet „künstlicher Bedarf“ unnötige Werbung?

Im ersten Moment stimme ich zu und sage JA. Warum Bedarf schaffen wo keiner ist. Aber wie jede Münze, hat auch diese zwei Seiten. Wir produzieren und verkaufen auf diese Weise viele unnötige Produkte, die im ärgsten Fall sogar schädlich sind.

Andererseits hat uns das in eine Position gebracht unsere Produkte immer wieder zu überarbeiten und besser zu machen. Auf lange Sicht überleben nur die besten Produkte. Wir haben unser Leben in vielem vereinfacht und verbessert. Wir haben unseren Lebensstandard dadurch erhöht und eine starke Volkswirtschaft geschaffen.

Hätten wir weniger ohne Werbung? Wäre die Welt besser ohne Werbung? Wer weiß das schon.

Heute haben wir Waschmaschinen, die mit verschiedene Temperaturen die unterschiedlichsten Wäschestücke waschen. Die Wäsche wird weniger abgenutzt, ist sauberer und die Farben bleiben länger erhalten. Was mussten sich die Frauen früher plagen, wenn die Wäsche fällig war. Mit Zuber, Waschbrett, Kochtopf und viel Muskelkraft dauerte das Wäschewaschen den ganzen Tag.

Andererseits haben wir Produkte geschaffen, die die Welt nicht braucht. Die sogar gesundheitsschädlich sind. Cornflakes bestehen überwiegend aus Weizen und Zucker. Die Bestandteile von Fruchtzwerge sind überwiegend künstlichen Farb- und Geschmacksstoffen und Zucker. Diabetes lässt grüßen.

Andererseits haben wir Wasserkraftwerke und Windkrafträder entwickelt, was für mich in die PRO Waagschale kommt.

Die Schwierigkeit der Umsetzung von richtig und falsch zeigt das Zitat von Alberto Moravia (ital. Schriftsteller) auf:

„Wenn man politische Diskussionen verfolgt, stellt man immer wieder fest, dass die Worte ein paar Nummern zu groß für die von ihnen bekleideten Ideen sind. „

So ist es. Wer wäre ich, wenn ich mir ein Urteil darüber erlaube, ob „künstlicher Bedarf“ gut oder falsch ist. Aber ich möchte mir im Hinterkopf behalten, dass ich aufmerksamer mit der Werbung umgehe und bewusster einkaufe.

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